26. November 2018

Legenden

Legenden des Wiener Schachsports

Wahre Legenden, wertgeschätzte Personen, die sich um dem Schachsport besonders verdient gemacht haben. Sie haben Leistungen erbracht, die dem Schach in Österreich sehr weitergeholfen haben. Ihre Verdienste sind Meilensteine in der Weiterentwicklung des Schachsports.


IM Dr. Andreas Dückstein

Ehrenmitglied des Wiener Schachverbandes.

„Die Schachbücher, die ich als Kind von meinen Eltern bekommen habe, sind immer noch meine Liebsten.
Die Eröffnungsbücher, die derzeit den Markt überschwemmen, sind eine ganz andere Sache. Ich denke das Augenmerk wird zu viel auf Eröffnungen gelegt. Dann geht es darum: „Kenne ich diese Eröffnung bis zum 20. Zug und mein Gegner bis zum 21. Zug, dann bin ich verloren.“
Varianten bis in den 22. Zug lernen, das ist büffeln, das hat mit Schach sehr wenig zu tun. Vielleicht muss es sein, aber es ist nicht das Richtige. Bitte, das habe ich jetzt, nach zig Jahren Erfahrung, beschlossen zu sagen. Natürlich muss man die Eröffnungen einigermaßen kennen und zwar so, dass man sie überlebt und nicht ins Hintertreffen gerät.
Viel mehr Zeit sollte dem Mittelspiel und in erster Linie dem Endspielstudium gewidmet werden! Dahingehend hat die Klasse von Capablanca oder Rubinstein niemand mehr erreicht, nicht einmal die Weltmeister sind da ausgenommen.
Der Schachspieler den ich vermutlich am meisten schätze ist Mikhail Tal, vorallem für seine – nicht zuletzt für ihn selber – lebensgefährlichen Angriffe!
Eine meine interessantesten Partien war die in 1958 gegen Max Euwe, in der ich eine neue Variante, die ich mir ausgedacht hatte, spielte. Erst Jahre später hat Bobby Fischer eine Verteidigung darauf gefunden.“

Interview Juli 2017

IM Dückstein ist eine wahre Schachlegende und ein sehr höflicher, bescheidener und (lebens)lustigster Mensch.

Sein Lieblingsbuch ist „4. Internationales Schachturnier Karlsbad 1929“ – Sammlung der 231 Partien des Turniers, ausführlich behandelt von Nimzowitsch, Spielmann & andere.

„Meister der Turmendspiele (1890-1914)“

Geschrieben hat er „Meister der Turmendspiele (1890-1914)“, erschienen im Wiener Schachverlag. Keine seiner Ausführungen und Analysen wurden bis jetzt widerlegt.

Bei der Olympiade 1958 in München besiegte Andreas drei Großmeister, darunter den amtierenden Weltmeister Mikhail Botvinnik. Es war die einzige Verlustpartie der Russen. » 1958 Olympiade in München Andreas Dückstein vs Mikhail Botvinnik

Andreas Dückstein spielte gegen sieben Weltmeister

Max Euwe, Mikhail Botvinnik, Wassili Wassiljewitsch Smyslow, Mikhail Nechemjewitsch Tal, Tigran Petrosjan, Boris Spasski & Bobby Fischer und siegte gegen drei: Euwe, Botvinnik & Spasski.

» 1958 5th Clare Benedict Cup: Andreas Dückstein – Max Euwe
» IM Andreas Dückstein Wiki

Vorarlberger Schachtage 2016:

Andreas Dückstein im Gespräch mit Hanno Loewy (1 Stunde)


Ferdinand Peitl

Ehrenmitglied des Wiener Schachverbandes.

Seit nunmehr 40 Jahren ist Ferdinand Peitl, besser bekannt als „Der Schachfreund“ in Wien unterwegs um für sein geliebtes Spiel bei den Menschen zu werben. Zahlreiche Weltklassespieler, darunter Ex-Weltmeister Anatoli Karpov zählten zu den Gästen seiner öffentlichen Veranstaltungen. Er ist Gründer einiger Vereine, darunter Donaustadt und SK Cobenzl, und hat als „Der Schachfreund“ jedes 3. Wochenende im Stadioncenter sein Schach – Jour fix.


Herbert Titz

Ehrenmitglied des Wiener Schachverbandes.

Dignatio Herbert Titz durch Präsident Johann Pöcksteiner beim Verbandstag 2019

Es hat mich sehr gefreut, dass ich vom Wiener Schachverband eingeladen wurde, etwas über Herbert Titz, Ehrenmitglied des Verbandes und einer meiner besten und langjährigsten Freunde, zu erzählen. Herbert ist im österreichischen und speziell im Wiener Schachleben seit vielen Jahren sehr bekannt und allseits beliebt. Nicht alle aber kennen seinen Werdegang.

Geboren und aufgewachsen in St.Veit/Glan kam Herbert 1953/54, also mit etwa 16 Jahren, zum Schach. Er trat dem dortigen Schachverein bei und brachte es nach kurzer Zeit bereits zum Stadtmeister.

1956 wurde er Kärntner Jugendlandesmeister und qualifizierte sich damit zur Teilnahme an der im selben Jahr in Wien durchgeführten Jugendstaatsmeisterschaft. Hier teilte er mit Wolfgang Weinwurm den 5./6.Platz. In der Folge spielte er in zwei Bundesländer-Mannschaftsmeisterschaften für Kärnten, mit GM Karl Robatsch am 1.Brett. 1956/57, während seiner Zeit beim Bundesheer in Spittal/Drau, wurde er dortiger Stadtmeister.

1959 übersiedelte Herbert, der bereits in St.Veit/Glan Buchdrucker gelernt und in diesem Beruf bis zu seiner Pensionierung gearbeitet hat, aus beruflichen Gründen nach Wien. Hier kam er ziemlich zugleich mit mir zum Schachklub Margareten Neubau. Dieser wurde später in den Schachklub Austria Wien aufgenommen, dem wir seither beide angehören.

Herbert engagierte sich in Wien nicht nur mit guten Turniererfolgen als Spieler, sondern vor allem auch als Organisator. Er wurde 1982 erstmals beim SK Austria Wien in den Vorstand gewählt, dem er bis heute angehört.

Von 1996 bis 2016 leitete er den SK Austria Wien mit großem Engagement, sichtlicher Freude und sehr erfolgreich als Vereinsobmann. Die Organisation der insgesamt 31 Austria Open, der zahlreichen 3-König Mannschafts-Blitzturniere usw. ist Herbert zu danken!

Vom Wiener Schachverband wurde er im Jahr 2008 zum Seniorenreferenten bestellt. Auch in dieser Funktion, die er bis 2016 ausübte, war Herbert bei der Organisation der Wiener Seniorenmeisterschaften und bei der Entsendung Wiener Mannschaften zu vielen Welt- und Europameisterschaften der Senioren sowie auch als Spieler in diesen Mannschaften immer wieder sehr aktiv. Die schönen Mannschaftsturniere in Wien, Dresden, Radebeul, Rogaska Slatina usw. waren auch für mich immer wieder ein Erlebnis.

Bericht: Dr. Sven Teichmeister


Hofrat Dr. Herbert Petrousek †

Ehrenmitglied des Wiener Schachverbandes.

Hofrat Dr. Herbert Petrousek war eine Legende des Wiener Schachsports und Funktionär des Wiener Schachverbandes. Gefürchtet war Dr. Petrousek, der den Verein Aljechin-Wieden, wie kein Anderer verkörperte, vor allem für seine gefinkelten Mannschaftsaufstellungen, die seine Teams immer wieder zu Höchstleistungen trieben. Er wurde am Verbandstag 2010 zum Ehrenmitglied gewählt. (R.I.P.)